Russlands Wirtschaft unter Druck – Moskau braucht Käufer
Fünf Jahre anhaltender Krieg in der Ukraine, erdrückende Sanktionen und ein rasant wachsendes Staatsdefizit setzen die russische Wirtschaft massiv unter Druck. Kein Wunder also, dass Moskau verzweifelt versucht, aus den verbliebenen Handelspartnern möglichst viel herauszuholen.
Neu-Delhi spielt dabei eine zentrale Rolle. Indien importiert seit Kriegsbeginn in großem Stil russisches Öl und gilt historisch als einer der wichtigsten Abnehmer russischer Rüstungstechnik. Doch wer gehofft hatte, dass ein milliardenschwerer Kampfjet-Deal die Staatskasse auffüllen würde, sieht sich herber Enttäuschung gegenüber.
Keine neuen Kampfflugzeuge der fünften Generation
Das indische Verteidigungsministerium hat unmissverständlich klargemacht, dass der Kauf weiterer Modelle vom bisherigen Hauptlieferanten schlicht nicht zur Debatte steht. Stattdessen will die asiatische Großmacht alle verfügbaren Ressourcen in die Entwicklung eines eigenen Tarnkappenprogramms sowie in die umfassende Modernisierung der bestehenden Flotte stecken.
Auch wenn Regierungsvertreter keinen konkreten russischen Flugzeugtyp beim Namen nannten, bestätigten sie das vollständige Desinteresse an jeglichen neuen Varianten der Suchoi-Familie.
Moskau hatte seine Exportvariante Su-57E angeboten – inklusive des verlockenden Versprechens einer lizenzierten Inlandsproduktion und eines vollständigen Technologietransfers. Die indische Seite wischte dieses großzügige Angebot jedoch vom Tisch, vor allem aufgrund sehr schlechter Erfahrungen aus früheren gemeinsamen Projekten.
Dieser unerwartete Schritt lässt Algerien als einzig öffentlich bekannten ausländischen Interessenten für die Su-57E zurück. Russische Behörden behaupten zwar selbstbewusst, es gebe weitere geheime Vereinbarungen – belegen lässt sich das jedoch in keiner Weise.
Gezielte Modernisierung der bestehenden Flotte
Anstatt Geld für fabrikneue Modelle auszugeben, entschied sich Neu-Delhi für eine strategisch kluge Alternative: die Aufwertung von rund 260 Maschinen des Typs Su-30MKI, die bereits das Rückgrat der indischen Luftwaffe bilden. Rüstungsexperten arbeiten derzeit an einem Großprojekt namens Super Sukhoi, das den älteren Maschinen neues Leben einhauchen soll.
Das umfangreiche Modernisierungspaket umfasst die Integration hochmoderner Avionik, fortschrittlicher Systeme zur elektronischen Kriegführung sowie verbesserter Navigationstechnik. Darüber hinaus sollen völlig neue und leistungsfähigere Waffensysteme eingerüstet werden.
Um frühere Bestandsverluste rasch auszugleichen, beauftragte die Luftwaffe den staatlichen Hersteller Hindustan Aeronautics Limited mit der Fertigung von zwölf zusätzlichen Su-30MKI-Maschinen. Diese Beschaffung schlägt mit rund 135 Milliarden Rupien zu Buche – umgerechnet etwa 1,42 Milliarden US-Dollar.
Ein behutsamer, aber entschlossener strategischer Kurswechsel
Das heutige tiefe Misstrauen gegenüber einer Rüstungskooperation mit Moskau kam nicht über Nacht. Es wurzelt im Scheitern eines ehrgeizigen Abkommens aus dem Jahr 2010 im Wert von 295 Millionen Dollar, bei dem beide Länder gemeinsam eine neue Kampfflugzeuggeneration entwickeln wollten.
Indien stieg 2018 endgültig aus dieser Partnerschaft aus. Ausschlaggebend waren anhaltende Zweifel an den tatsächlichen Tarnkappenfähigkeiten, unzureichende Systeme zur elektronischen Kriegführung, stetig steigende Kosten sowie die offensichtliche Weigerung der russischen Seite, technische Daten zu teilen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Indien sämtliche militärischen Verbindungen zu Russland gekappt hat. Das Land betreibt nach wie vor russische U-Boote, Panzer und Luftabwehrsysteme und setzt die gemeinsame Produktion der gefürchteten BrahMos-Raketen erfolgreich fort.
Militärexperten registrieren jedoch eine bedeutsame sicherheitspolitische Verschiebung. Angesichts der wachsenden wirtschaftlichen Abhängigkeit Moskaus von Peking sorgen sich indische Verteidigungsstrategen zunehmend um eine langfristige Abhängigkeit von ausländischen Rüstungslieferungen. Die schrittweise Hinwendung zur Eigenständigkeit und zum Aufbau einer nationalen Verteidigungsindustrie ergibt aus geopolitischer Perspektive daher vollkommen Sinn.










