Eine unglaubliche Häufung von Zufällen
Wählerinnen und Wähler erwarten von einem demokratischen Wahlprozess vor allem eines: faire Bedingungen. Doch manchmal stoßen wir auf Situationen, in denen selbst die mathematischen Grundlagen eines solchen Wettbewerbs schlicht unmöglich erscheinen. Die jüngste Auslosung der Reihenfolge auf den Stimmzetteln in der Russischen Föderation hat enorme Zweifel geweckt – Experten sprechen von unerklärlichen Anomalien.
Ein Ergebnis, das an Unmöglichkeit grenzt
Die russischen Bürgerinnen und Bürger werden in Kürze zur Wahl gehen und über die neue Zusammensetzung des Parlaments entscheiden. Die Regierungspartei Einiges Russland hat sich dabei eine geradezu atemberaubende Ausgangsposition gesichert. Die einflussreiche politische Formation erhielt den ersten Platz auf den Stimmzetteln in 21 von 39 teilnehmenden Regionen – und darüber hinaus auch den begehrten ersten Platz auf der landesweiten Kandidatenliste.
Für jede politische Gruppierung ist die Position Nummer eins ein enormer Vorteil. Sie zieht die Aufmerksamkeit unentschlossener Wähler auf sich und sendet ein starkes Signal von Dominanz und Stärke.
Wahrscheinlichkeit nahe null
Die Chance, dass eine einzige Partei so viele unabhängige Auslosungen dominiert, tendiert gegen null. Der erfahrene Analyst Ivan Bolschakow unterzog die gesamte Angelegenheit einer nüchternen Zahlenanalyse.
Nach sorgfältiger Berechnung gelangte er zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ergebnisses unter fairen Bedingungen lediglich 0,00000378 Prozent beträgt. Bolschakow verglich dieses Phänomen mit einem Lotteriegewinn.
Er stellte fest, dass selbst das Knacken des Hauptjackpots deutlich wahrscheinlicher wäre. In seiner fachkundigen Einschätzung bezeichnet er ein solches Resultat bei gleichen Chancen für alle Beteiligten als gigantische statistische Abweichung.
Sein abschließendes Urteil formulierte er unmissverständlich und ohne Umschweife: Es handele sich schlicht und ergreifend um reine Fiktion.
Die rücksichtslose Ausschaltung der politischen Konkurrenz
Obwohl die herrschenden Strukturen bereits einen mathematisch kaum erklärbaren Vorteil errungen hatten, gingen sie noch einen Schritt weiter und räumten das Spielfeld vollständig auf. Die Oppositionspartei Jabloko, die sich offen gegen den Krieg ausspricht, hatte auf der landesweiten Liste ursprünglich den zweiten Platz ausgelost.
Der Russische Oberste Gerichtshof griff jedoch blitzschnell ein und schloss die gesamte Oppositionsgruppe gnadenlos aus dem Rennen aus. Dies geschah auf Grundlage einer Klage der nationalistischen Partei, womit der Opposition offiziell jede Wahlbeteiligung untersagt wurde.
Der Vorsitzende der ausgeschlossenen Bewegung, Nikolai Rybakow, gab unmittelbar nach dem Urteil eine scharfe Erklärung ab. Er betonte deutlich, dass der eigentliche Grund für ihre Eliminierung ihre klare Haltung zu Frieden und menschlicher Freiheit gewesen sei.
Er fügte eine eiskalte Warnung hinzu: Die Kräfte, die sie auf diese Weise aus den Wahlen entfernt hätten, verfolgten im Land einen diametral entgegengesetzten politischen Kurs.
Umfassende staatliche Repression
Das politische Manövrieren blieb jedoch nicht auf die Manipulation der Kandidatenlisten beschränkt. Am selben Tag, an dem die oberste Gerichtsinstanz die Bewegung disqualifizierte, fiel auch ein hartes Strafurteil gegen einen ihrer Vertreter.
Ein Gericht in der Stadt Pskow verurteilte den stellvertretenden Parteivorsitzenden Lew Schlosberg zu mehr als elf Jahren in einer Strafkolonie. Grund für diese drakonische Strafe war das Veröffentlichen von Antikriegsaufrufen im Internet.
Die bestehenden Machtstrukturen versuchen auf diese Weise nach außen hin die Illusion vollständiger staatlicher Stabilität aufrechtzuerhalten. Durch gezielte Manipulation der Stimmzettel und die systematische Inhaftierung führender politischer Gegner sichert sich das herrschende Regime ein streng kontrolliertes und weitgehend gefügiges öffentliches Umfeld.










