Ein jahrzehntelang vergessener Schatz taucht wieder auf
Über hundert alte Filmrollen lagen jahrelang unbeachtet in einem Archiv – das Überbleibsel eines gescheiterten Dokumentarprojekts mit großen Ambitionen. Heute geben diese wiederentdeckten Aufnahmen einen völlig neuen Blick auf die bahnbrechende Reise einer der ikonischsten Popbands der Achtziger frei.
Als Regisseur Mike Christie im September 2024 anfing, verstaubte Kartons zu durchforsten, stieß er auf bemerkenswerte zwanzig Stunden seltenes Filmmaterial. Aus diesem außergewöhnlichen Fund entstand schließlich der Dokumentarfilm Wham! 10 Days in China, der die Zuschauer zurück ins Jahr 1985 versetzt – zu den historischen Auftritten von George Michael und Andrew Ridgeley in Peking und Guangzhou.
Ein gescheitertes Projekt und sein turbulentes Erbe
Ursprünglich sollte der britische Filmemacher Lindsay Anderson die Tournee dokumentieren. Der angesehene Regisseur ernster Dramen verstand sich jedoch weder mit den jungen Musikern noch mit ihrem Team, und die Spannungen am Set wuchsen schnell.
Nachdem die Band erste grobe Schnitte gesehen hatte, lehnte sie seine Vision entschieden ab – nach sechs Monaten Arbeit wurde Anderson entlassen. Andrew Ridgeley selbst bezeichnete das damalige Ergebnis rückblickend als unglaublich langweilig und völlig energielos.
Die Zügel übernahm daraufhin der erfahrene Musikvideo-Regisseur Andy Morahan. Er formte aus dem vorhandenen Material den bekannten Film Wham! in China: Foreign Skies, der beim grandiosen Abschlusskonzert des Duos im ausverkauften Londoner Wembley-Stadion im Juni 1986 feierlich uraufgeführt wurde.
Genialer Marketingschachzug statt kräftezehrender Tournee
Der exotische Ausflug in den Fernen Osten war keineswegs nur ein unschuldiger Kulturaustausch. Das Management der Gruppe wusste genau, dass Auftritte an einem so ungewöhnlichen Ort weltweit für Aufsehen sorgen und die Position des Duos auf dem lukrativen amerikanischen Markt erheblich stärken würden.
George Michael soll damals sehr widerstrebend gegenüber einer erschöpfenden US-Tournee gewesen sein, die das restliche Team für absolut entscheidend hielt. Das chinesische Abenteuer erwies sich als ideale Abkürzung zum internationalen Ruhm – und machte die britische Band zur ersten westlichen Popgruppe überhaupt, die in diesem asiatischen Land auftrat.
Kulturschock und unveröffentlichte Momente
Der neu aufbereitete Dokumentarfilm zeigt eindrucksvoll, wie das dortige Publikum auf eine energiegeladene Popshow reagierte, die im damals strengen Regime etwas absolut Beispielloses darstellte. Auch die Sängerin Cheng Fangyuan berichtet im Film über die historische Bedeutung des Ereignisses. Sie hatte vor den Konzerten exklusiv chinesische Versionen der größten Hits auf Kassette eingesungen, die alle Ticketinhaber erhielten, um sich mit dem Werk der Band vertraut zu machen.
Die restaurierten Filmrollen bieten jedoch weit mehr als warme musikalische Nostalgie. Sie liefern ein ungeschöntes Zeugnis, das das Gesamtbild vervollständigt:
- Unpassende kulturelle Missverständnisse und unerwartete Situationen.
- Strenge Auflagen seitens der damaligen staatlichen Behörden.
- Ehrliche und oft faszinierte Reaktionen des einheimischen Publikums.
All diese wertvollen Momentaufnahmen wären in einem gewöhnlichen, glattgebügelten Promotionvideo höchstwahrscheinlich dem Schnittboden zum Opfer gefallen. Die ursprünglich abgelehnte Regisseurversion wird zwar nie offiziell veröffentlicht werden, doch das nun aufgefundene Rohmaterial gilt heute als das umfassendste öffentliche Dokument dieser wegweisenden Expedition.
Premiere und Ausstrahlungstermine
Die feierliche Vorpremiere von Wham! 10 Days in China fand in London in Anwesenheit von Andrew Ridgeley persönlich statt, während der weltweite Kinostart für den 28. Juli geplant ist. Fernsehzuschauer können sich den exklusiven Dokumentarfilm auf den britischen Sendern BBC Two und der Streamingplattform BBC iPlayer am 29. August 2026 ansehen.










